Unsere Qualitäten

 

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Neue Verfahren der Diagnostik von Angststörungen (DANDTE, BOEAS)

1. Der DANDTE-Test

2. Die BOEAS-Skala

3. Zusammenfassende Bewertung und Bedeutung von DANDTE und BOEAS für Diagnostik, Therapie und Forschung von Angststörungen

1. Der DANDTE-Test

Darstellung der theoretischen Konzeption des Tests

Eine wesentliche Dimension für die Entwicklung von Diagnoseverfahren ist die Erfassung der Patientenperspektive.

Die bisherige Diagnostik mit den vorliegenden Selbstratingverfahren hat dieser Perspektive bisher einen eingeschränkten Stellenwert zugeordnet, da solche Verfahren fast ausschließlich an Einzelsymptomen oder einzelnen Angststörungen ausgerichtet waren.

Hierdurch ergibt sich eine deutliche Einschränkung hinsichtlich des klinischen Einsatzes für Diagnose- und Therapieverlaufskontrolle, da die überwiegende Mehrzahl von Angstpatienten komorbide oder präziser kosyndromale Störungsmuster aufweist.

Für die Entwicklung von Verfahren zur Diagnose von Angstsyndromen ist die sprachlich semantische Dimension wesentlich zu berücksichtigen.

Gerade im Bereich des Angst-Depression-Spektrums kann immer wieder be-obachtet werden, dass hinsichtlich der Eindeutigkeit der Termini erhebliche Interpretations- und Verstehensunterschiede deutlich werden, die zusätzlich durch Unterschiede im Sprachgebrauch zwischen verschiedenen „Benutzergruppen“ verstärkt werden.

Dies erschwert die Objektivität und Reliabilität psychiatrischer Diagnose im Bereich der Angststörungen nicht unerheblich.

Die klinische Praxis zeigt, dass nicht wenige Patienten mit einer von ihnen selbst mit dem Begriff Angst beschriebenen Symptomatik ungerechtfertigter Weise bei unkritischer Übernahme dieser Terminologie als Patienten mit Angsterkrankungen klassifiziert werden.

Umgekehrt aber sind es nicht wenige Patienten, die ihre Befindlichkeit mit „Depression“ umschreiben.

Bei kritischer, auch sprachlicher, Prüfung können diese Patienten nicht selten ziemlich sicher als Patienten mit einer Angststörung klassifiziert werden.

Eine beeindruckende, bedauerlicherweise bis heute nicht replizierte Studie zur Bedeutung der sprachlichen Dimension der Verwendung der Termini „Angst“ und „Depression“ wurde von Leff (1978) publiziert.

In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass Psychiater und Patienten mit Angst- und depressiven Störungen die Begriffe reziprok verwendeten.

Bedauerlicherweise existiert bis heute keine systematische Forschung über das Sprachverständnis von Menschen hinsichtlich der Beschreibung ihrer Angsterlebnisse.

Dieser Mangel an „basisnaher“ Forschung ist bedauerlich, zumal sich aus einer solchen Perspektive wichtige neue Erkenntnisse gewinnen ließen, wie das Phänomen Angst auch aus klinischer Perspektive sprachlich und inhaltlich beschrieben werden könnte.

Entsprechend der Entwicklung des Konzepts des Angstbasissyndroms bzw. der Angstbasisstörung ist es das Ziel, dieses Konstrukt patientennah durch einen Selbstratingfragebogen zu prüfen und dieses Instrument als Screeninginstrument zu entwickeln.

Der neue Patientenfragebogen DANDTE verfolgt das Ziel, dass die oben beschriebenen Konstrukte psychopathologisch zu differenzieren und eine Diagnose zu ermöglichen.

Folgende Konstruktionsprinzipien des DANDTE sind bedeutsam:

  1. Es soll in diesem Fragebogen ein Spektrum von psychopathologisch präzise definierten Angstsymptomen vorgegeben werden.
  2. Die Symptomauswahl orientiert sich an der vorgegebenen Klassifikation des ICD-10 bzw. DSM-IV.
  3. Entsprechend der AMDP-Tradition sollen diese Symptome auch hinsichtlich des        Schweregrades differenziert und Schweregradbeurteilung ermöglichen.
  4. Die Symptomerhebung erfolgt mit dem Ziel, das ängstliche Syndrom individuell präzise abzubilden.
  5. Ausgehend von Syndromerfassung soll der DANDTE die Diagnose einer Angststörung im Prinzip ermöglichen, aber auch unabhängig von einer solchen Diagnose, beispielsweise bei Patienten mit Depressionen eingesetzt werden.
  6. Aufgrund der ausgeprägten Comorbidität oder Cosyndromalität mit Depressionen sollen auch Depressions-Items enthalten sein, die eine syndromale Erfassung ermöglichen. Die beiden Teile des DANDTE sollen so konstruiert sein, dass sie inhaltlich nicht konfundieren.
  7. Der DANDTE soll in der klinischen Routinepraxis als Screening-Instrument aber auch zur Beurteilung des individuellen Therapieverlaufs eingesetzt werden können.

Dies bedeutet, dass der Fragebogen auch zeitökonomisch bearbeit- und auswertbar konzipiert sein soll.

Der DANDTE-Fragenbogen beinhaltet insgesamt 18 Items: 7 Depressions-Items und 11 Angst-Items:

Die Depressions-Items sind:

Depressive Stimmung, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, Antriebsminderung, Gewichtsverlust und Tagesschwankungen.

Die Angst-Items sind:

Ängstliche Stimmung, Sorgen, phobische Symptome, soziale Ängstlichkeit, Angstattacken, Angst vor der Angst, Platzangst, innerliche Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und Katastrophengedanken.

Die Itemkonstruktion sieht einen Erläuterungstext mit einer kategorialen Beantwortungsmöglichkeit mit ja oder nein sowie eine Beurteilung des Schweregrades mit Erläuterung der Subkategorien leicht, mittel und schwer vor.

Mit dem DANDTE soll eine wesentliche Lücke in der Diagnostik der Angststörungen geschlossen werden.

Er soll als Screeningsinstrument zur Diagnose eines ängstlichen Syndroms bzw. einer Angststörung führen.

Der DANDTE versteht sich als ein syndromorientierter Test und ist somit Teil einer komplex angelegten diagnostischen Strategie.

2. Die BOEAS-Skala

Darstellung der theoretischen Konzeption der Skala

Als Fremdratingskala zur Erfassung von Angstsymptomen wurde von Hamilton 1959 die Hamilton-Angst-Skala (HAMA) entwickelt, die bis heute als wichtigstes Messinstrument zur Erfassung von pathologischen Ängsten sowohl in klinischen wie auch Therapiestudien verwendet wird.

Dieser häufige Gebrauch reflektiert zunächst die relativ einfache und klare Handhabung dieser Skala.

Trotz aller methodischen und inhaltlichen Schwächen, die in der Fachwelt unbestritten sind, wird der weitere Gebrauch dieser Skala vor allem damit begründet, dass sich international bisher kein anderer Test durchgesetzt hat.

Auch die durch den Einsatz mögliche Vergleichbarkeit von sowohl klinischen sowie Therapiestudien wird immer wieder als Argument dafür angeführt, dass die HAMA trotz aller deutlichen methodischen Schwächen weiterhin die einzige Fremdrating-Skala ist, die im Bereich der Diagnose von Angsterkrankungen zum Einsatz kommt.

Diese methodischen und inhaltlichen Kritikpunkte sind Ausgangspunkt für eine Neukonstruktion.

Folgende Konstruktionsprinzipien wurden der BOEAS zugrunde gelegt:

  1. Die Symptomerhebung erfolgt mit dem Ziel, das ängstliche Syndrom unabhängig vom Bestehen einer einzelnen Angsterkrankung für jeden Patienten umfassend und präzise zu erheben. Die BOEAS enthält somit ein breites Spektrum von psychopathologisch präzise definierten Angstsymptomen.
  2. Die Symptomauswahl orientiert sich an den vorgegebenen Klassifikationen von ICD-10 bzw. DSM-IV und führt diese zusammen.
  3. Entsprechend der AMDP-Tradition werden die vorgegebenen Angstsymptome skaliert und erläutert.
  4. Die Items sind so konstruiert, dass eine Beurteilung hinsichtlich des Ausprägungsgrades möglich ist.
  5. Das Instrument ist zeitökonomisch konzipiert und kann multipel eingesetzt werden:
    In der klinischen Routinepraxis als ökonomisches Screeningsinstrument, zur Beurteilung des individuellen Therapieverlaufs sowie in wissenschaftlichen Studien.

3. Zusammenfassende Bewertung und Bedeutung von DANDTE und BOEAS für Diagnostik, Therapie und Forschung von Angststörungen

Zur Prüfung der psychometrischen Qualität wurden die beiden neuen Skalen in mehreren Studien an zusammen über 1800 Patienten eingesetzt und untersucht:

Hierbei handelt es sich im Einzelnen um folgende Studien:

  1. Die AMDP-Ambulanzstudie an 94 ambulanten Patienten mit Angststörungen der Angstambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik München. 
  2. Die DANDTE-Basis-Studie an 78 stationären Patienten der Psychiatrischen Universitätsklinik München mit unterschiedlichen Diagnosen.
  3. Die KAVA-KAVA-Therapiestudie zur Prüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von KAVA KAVA im Vergleich zu Opipramol und Buspiron an 129 ambulanten Patienten mit Generalisierter Angststörung (Boerner et al., 2003).
  4. Die Hydroxyzin-Therapiestudie an 299 ambulanten Patienten mit Generalisierter Angststörung (Boerner et al., 2007).
  5. Die BOEAS-Ambulanzstudie an 1300 ambulanten Patienten mit Depression und Angstsymptomen.

Die psychometrischen Auswertungen zeigten zusammenfassend für den neu entwickelten DANDTE gute bis sehr gute Qualitätsmerkmale:

  • In zahlreichen methodisch fundierten Studien an großen Patienten-Stichproben konnten in der Höhe sehr gute, statistisch signifikante Werte für die Reliabilität und Validität mit Standardskalen, insbesondere der HAMA, nachgewiesen werden.
  • Die Symptomkomplexe Angst und Depression konnten gut differenziert werden, hierbei zeigt sich eine deutlich bessere Differenzierung der Merkmale als in der HAMA sowie in der HAMD.
  • Erfreulich ist die sehr gute Beurteilung der Patienten hinsichtlich der Merkmale Zeitökonomie, Verständlichkeit, Eindeutigkeit der Items sowie ihren Aufforderungscharakter.
  • Auch von den Untersuchern in den Studien wurde der präzise Informationsgehalt zur Stellung einer syndrom- oder störungsbezogenen Diagnose sowie die Zeitökonomie der Auswertung hervorgehoben.

Auch für den BOEAS zeigten sich als Ergebnis der oben genannten Studienauswertungen gute bis sehr gute Qualitätsmerkmale:

Im einzelnen konnte nachgewiesen werden:

  • In zahlreichen methodisch fundierten Studien an sehr großen Patienten-Stichproben konnten in der Höhe sehr gute, statistisch signifikante Werte für die Reliabilität und Validität mit Standardskalen, insbesondere der HAMA aber auch dem CGI, nachgewiesen werden
  • Es konnte eine sehr gute Trennschärfe der Items nachgewiesen werden.
  • Die durchgeführten Faktorenanalysen zeigten eine relativ konsistente Struktur auf.
  • Die Untersucher bewerteten den differenzierten Informationsgehalt dieser Skala als sehr positiv.
  • Es konnte nachgewiesen werden, dass sich der BOEAS für multiple Zwecke eignet: Zur Stellung einer Syndromdiagnose und zur Erfassung des Schweregrades bei einer bereits diagnostizierten Angststörung sowie zur Beurteilung des Therapieverlaufs.

Mit dem DANDTE und der BOEAS liegen somit zwei im Vergleich zu bisherigen Skalen differenziertere Diagnoseinstrumente vor, die sich ergänzen und sich sowohl für die klinische Routine als auch für Forschungsprojekte eignen.

Diese Skalen versprechen eine wesentlich differenziertere und zielsichere Diagnose des ängstlichen Syndroms unter Berücksichtigung der derzeitigen Klassifikation von Angststörungen.

Wenn Sie an den Original-Studiendaten bzw. spezifischen Auswertungen der neuen Skalen interessiert sind, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme freuen.

Darüber hinaus sind wir an Ihren Erfahrungen hinsichtlich des klinisch-praktischen Einsatzes der neuen Skalen interessiert.

Hierbei wäre es für die Weiterentwicklung dieser Skalen hilfreich, wenn Sie bzw. Ihre Patienten folgende Merkmale entsprechend Schulnoten einschätzen und uns hierzu eine Rückmeldung geben würden.

Als Vergleich seien die Daten aus der DANTE-Basisstudie aufgeführt:

Tab.: Patientenurteil des DANDTE nach Schulnoten in der DANDTE-Basis-Studie

Kriterien N Mittelwert Standardabweichung
Verständlichkeit 76 1,68 1,07
Eindeutigkeit der Items 75 1,76 0,96
Vollständigkeit der 70 1,86 0,98
Symptomerfassung
Zeitaufwand 73 1,90 1,11
Anregungscharakter, über die 72 2,35 1,42
Symptomatik nachzudenken

 

Ärztlicher Koordinator/
Chefarzt Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie:

Univ.-Prof.
Dr. med. Dr. scient. pth. Dipl.-Psych.
Reinhard J. Boerner
(Curriculum Vitae, Publikationen, Vortragstätigkeit)


Oberärzte:
Dr. med. M. Kaufold
S. Schuchardt

Funktionsoberärztinnen:
Dr. med. C. Lichtblau

Leitende Dipl.-Psychologin:
F. Lühring
E-Mail: f.luehringnoSpam@noSpamckq-gmbh.de 

Sekretariat:
Tel.: 05431.15-27 02
Fax: 05431.15-27 11

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Patientenanmeldung:
(stationär, teilstationär, ambulant)
05431.15-1743

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