Christliches Krankenhaus
Quakenbrück
  • Körper und Seele verstehen.
    Verantwortungsvoll handeln.
Javascript ist deaktiviert. Dadurch ist die Funktionalität der Website stark eingeschränkt.

Medizinische Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Demenz

Vortragsveranstaltung des Ethikkomitees mit Prof. Alfred Simon stieß auf große Resonanz

Die permanent steigende Zahl von Menschen mit demenziellen Erkrankungen  und ihre medizinische Behandlung stellt eine der großen ethischen Herausforderungen für Ärzte, Pfleger und Angehörige dar. Und dass das Thema von großem allgemeinem Interesse ist, wie Dr. Bernhard Birmes, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Ethikkomitees des Christlichen Krankenhauses betont, zeigte sich auch in der großen Zahl an Zuhörern im Hörsaal des CKQ. Zu Gast war Prof. Dr. phil. Alfred Simon, Leiter der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. in Göttingen und Mitglied des Ausschusses für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer.

Die wachsende Zahl an Menschen mit Demenz werfe viele Fragen und Probleme auf, erklärte Prof. Simon zu Beginn. Dazu gehöre zum Beispiel die Frage nach guten Versorgungsstrukturen (ambulant, im Heim oder speziellen Dörfern), nach der öffentlichen Wahrnehmung der Erkrankung, aber auch nach der Rolle und dem Selbstverständnis von Ärzten und Pflegenden.
Im Mittelpunkt des Vortrages stand dann der Entscheidungskonflikt zwischen Autonomie und Fürsorge bei der medizinischen Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Demenz und die Frage, wie mit „natürlichen Willensäußerungen“ dieser Patienten umzugehen ist.
Zwei fiktive Fallbeispiele verdeutlichten die Problematik. Der erste Fall ist eine 81-jährige Pflegeheimbewohnerin mit fortgeschrittener Demenz, die sich in ihrer Patientenverfügung gegen lebensverlängernde Maßnahmen ausgesprochen hat. Die äußert lebensfrohe Frau erkrankt an einer Lungenentzündung. Darf man ihr mit der Begründung ihres positiven Grundzustandes Antibiotika verabreichen oder muss man sich an die Patientenverfügung halten?
Im zweiten Fall verweigert ein 87-jähriger, stark dementer Heimbewohner plötzlich die Nahrungsaufnahme, indem er den Mund zusammenkneift. Darf man ihn künstlich ernähren oder muss seine Weigerung, zu essen, als Lebensüberdruss gesehen werden?

Zunächst erläuterte Simon die Voraussetzungen für die Einwilligung eines Patienten zu einer Therapie. „Die Aufklärung muss mündlich, verständlich und rechtzeitig erfolgen und der Patient muss in der Lage sein, aufgrund der Aufklärung zu entscheiden“, so Simon. Diese Einwilligungsfähigkeit hätten sogar Demenzpatienten teilweise noch, wenn sie geduldig aufgeklärt würden.
Sind Patienten nicht mehr einwilligungsfähig, muss geschaut werden, ob es vorsorgliche Willensbekundigungen wie Patientenverfügungen, mündlich geäußerte Behandlungswunsch oder sonstige Äußerungen gibt.
Simon verdeutlichte den Unterschied zwischen den Definitionen von „autonomem Willen“ und  „Natürlichem Willen“. Unter dem „Natürlichen Willen“ seien Willensäußerungen nicht mehr aussagefähiger Patienten zu verstehen und sich wie in den Fallbeispielen durch den Ausdruck von Lebensfrohsinn oder dem Verweigern der Nahrung manifestieren könnten.

Prof. Simon kommt zu dem Fazit, dass natürliche Willensäußerungen Indikatoren sein können, die ernst zu nehmen sind, aber nicht auf eine Stufe mit dem autonomen Willen gestellt werden können. Vielmehr müssten die autonomen Entscheidungen des Patienten respektiert werden. Bezogen auf die Fallbeispiele bedeute dies, dass Anzeichen von Lebensfreude alleine nicht berechtigen, gegen die Patientenverfügung zu handeln. Im Fall des Mannes, der die Nahrung verweigert, müsse genau untersucht werden, wogegen sich die Abwehrhandlung richtet, bevor über die weitere Therapie entschieden werde.

An die Ausführungen des Referenten schloss sich eine lebhafte Frage- und Gesprächsrunde an. Simon plädierte dafür, dass Ärzte und Pfleger noch enger kooperieren. Dr. Florian Thienel, Chefarzt des Diabetes-Zentrums und Mitglied des Ethikkomitees, beendete die Diskussionsrunde mit der Forderung: „Wir Ärzte brauchen viel mehr Mut, um mit unseren Patienten rechtzeitig auch über das Lebensende zu sprechen.“

 

Bildunterschrift:
Mitglieder des Ethikkomitees mit dem Referenten Prof. Dr. Alfred Simon (4.v.l.)

Wir sind für Sie da.

Rezeption & Empfang

info@ckq-gmbh.de

0 54 31 . 15 - 0

Veranstaltungen

Sonntag, 16. Dezember 17.00Uhr
Weihnachtskonzert in der Arche mit dem Männerchor Quakenbrück und der Gospel-Group Artland

 

Sonntag, 20. Januar 2019 um 16.00 Uhr
Gesangsgruppe Iwuschka - Russische und Deutsche Lieder, Konzert in der Arche